08.08.2015 12:01
von Dr. Beate Kummer
Umweltminister zu Gast bei Scholz

Scholz findet bei Minister Gehör
Umweltminister Franz Untersteller besucht Essinger Recyclingspezialisten – Forschung vorantreiben Abfälle sind zu wertvoll, um weggeworfen zu werden. Um Ressourcen zu schonen, sollen Wertstoffe in Kreisläufen zurück gewonnen und wiederverwertet werden. Die Essinger Scholz Holding GmbH möchte dies forcieren. Landesumweltminister Franz Untersteller hat am Donnerstag das Unternehmen besucht.
© Sascha Kurz
Essingen. Im Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden Oliver Scholz sowie seinem Vater Berndt-Ulrich Scholz, Dr. Beate Kummer (Öffentlichkeitsarbeit) und Burkhard Bachmann (Umweltbeauftragter des Unternehmens) wurden Hemmnisse in der Kreislaufwirtschaft sowie beim Erzielen einer hohen Ressourceneffizienz besprochen. Ziel war, die Landespolitik für Themen der Recyclingwirtschaft zu sensibilisieren – sowohl zum Nutzen der Umwelt wie auch eines wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs der Scholz-Gruppe. Das sogenannte „Urban Mining“, das Einsammeln von Wertstoffen im Alltag, tritt angesichts der Endlichkeit vieler Rohstoffe zunehmend in den Fokus. Franz Untersteller jedenfalls zeigte sich interessiert, fachkundig und diskussionsfreudig.
Oliver Scholz brachte dem grünen Landesminister das Recyceln von Altfahrzeugen näher. Problem dabei: Lediglich rund 30 Prozent der alten Autos werden in Deutschland wiederverwertet. „Unsere hochmoderne Shredder-Anlage in Espenhain bei Leipzig ist überdimensioniert, weil wir mit einem höheren Verwertungsanteil gerechnet haben“, sagte Oliver Scholz. Stattdessen verschwinden EU-weit pro Jahr zwischen vier und acht Millionen Autos zum Teil auf dunklen Kanälen in Richtung Osteuropa oder Afrika. Scholz sprach dabei von illegalen Exporten, weil die Altautos zersägt würden, um dann häufig wieder zusammengeschweißt zu werden. „Abfälle dürfen aber nicht exportiert werden“, sagte Oliver Scholz.
Er forderte die Umkehr der Beweislast hin zum Exporteur und Änderungen bei der Altfahrzeugrichtlinie. Franz Untersteller verglich mit alten Handys, die nicht zurückgebracht würden. Ein Pfandsystem könne helfen. Die Scholz-Gruppe fordert beispielsweise eine Recycling-Gebühr für Hersteller einzuführen, um das Erforschen von Recyclingtechnologien zu ermöglichen. Scholz ist in Forschungsvorhaben eingebettet, welche die Ströme von Altfahrzeugen unter die Lupe nehnen. Das Ministerium von Franz Untersteller unterstützt die Forschung dazu.
Das ist dem Minister wichtig: „Die Zahl der Rohstoffe, die unser High Tech-Land exportieren muss, steigt stetig. Ressourcen- und Materialeffizienz ist neben dem Gelingen der Energiewende der wichtigste Ansatzpunkt in meinem Ressort“, sagte Untersteller. Er verwies auf den im Oktober vom Ministerium abgehaltenen Kongress dazu, der Handlungsleitlinien für die Politik beschließen soll. Und: Durch die L-Bank würden Unternehmen unterstützt, die ressourceneffizient handeln. „Hier wird klar, dass Wirtschafts- und Umweltpolitik zusammengebracht werden, um künftigen Wohlstand durcheine moderne Industriepolitik zu sichern“, betonte Franz Untersteller. Oliver Scholz sagte zu, dass sich die Scholz-Gruppe bei der Landesinitiative „100 Betriebe für Ressourceneffizienz“ beteiligen werde.
Burkhard Bachmann, bei Scholz für Umweltthemen zuständig, sprach den Umgang mit emissionsbehafteten Metallspänen an, bei dem gesetzliche Änderungen geplant sind. Hier agierte Untersteller ganz pragmatisch: „Melden Sie sich beim Referatsleiter und beziehen Sie sich auf unser Gespräch“, schlug der Minister vor. Und auch für den wachsenden Bürokratismus beim Enttsorgen und Aufarbeiten von Katalysatoren und Bleibatterien im Ausland hatte Untersteller ein offenes Ohr. „Dem Unternehmen gehen durch bürokratische Verzögerungen viele Geschäfte verloren“, argumentierte Bachmann. Scholz und das Umweltministerium werden nach dem Besuch im Dialog bleiben – das war am Donnerstagnachmittag klar.

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