25.03.2015 11:53
von Dr. Beate Kummer

Appell vom Internationalen Automobil-Recycling Kongress IARC 2015:

Berlin, 25. März 2015: Die Verwertung von Altautos in Europa hat in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte erzielt. Doch nach wie vor gibt es einige Herausforderungen, die es für die Zukunft zu bewältigen gilt. Dazu zählen insbesondere die illegale Behandlung und der illegale Export von Altfahrzeugen, erklärte Artemis Hatzi-Hull, zuständig für den Bereich Abfallentsorgung in der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission, bei der heutigen Pressekonferenz zum Internationalen Automobil-Recycling Kongress IARC 2015 in Berlin.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Maßnahmen, die die EU-Kommission in Erwägung zieht, um die Altauto-Verwertung weiter zu verbessern. Artemis Hatzi-Hull nannte unter anderem die Harmonisierung des Berichtsystems und der Kalkulationsmethoden der EU-Mitgliedstaaten. Ziel ist es hier, die Aussagekraft und Zuverlässigkeit der Statistiken zu verbessern, um dadurch auch eine bessere Vergleichbarkeit der erfassten Daten zu ermöglichen. Weitere Überlegungen zielen darauf ab, Demontagebetriebe besser über recyclingfähige Materialien zu informieren und das Altautorecycling an die fortschreitende Entwicklung der Fahrzeugtechnik anzupassen.

Wie Artemis Hatzi-Hull bei der Pressekonferenz betonte, falle die Bewertung der im Jahr 2000 in Kraft getretenen europäischen Altfahrzeug-Richtlinie insgesamt positiv aus. Die Richtlinie sei in allen EU-Mitgliedstaaten umgesetzt worden und habe zu positiven ökologischen und ökonomischen Resultaten geführt. Inzwischen seien toxische Materialien in Fahrzeugen nahezu eliminiert. Und auch die Fortschritte der Mitgliedstaaten bei der Erfüllung der geforderten Verwertungsquoten seien gut.

Kritisch äußerte sich auch Beate Kummer, Sprecherin des deutschen Stahlrecycling-Konzerns Scholz, zu den illegalen Exporten. „Nach wie vor ist unklar, wo jedes Jahr rund 1,4 Millionen Altfahrzeuge aus Deutschland verbleiben“, erklärte sie bei der Pressekonferenz. Ihr würden zahlreiche Beweise aus Deutschland, Österreich, Slowenien und Kroatien vorliegen, dass Altfahrzeuge illegal entsorgt werden. Für die Investitionsbereitschaft in der Recyclingwirtschaft sind solche Umstände jedoch Gift. Denn dadurch fehlt den Recyclingunternehmen kalkulierbarer Input, den sie benötigen, um in Aufbereitungsanlagen zu investieren.

Scholz selbst betreibt in Espenhain nahe Leipzig eine Behandlungsanlage für Shredderrückstände aus der Altautoaufbereitung. In die Anlage hat Scholz seit 1991 rund 60 Millionen Euro investiert. Das Ergebnis ist, dass Scholz als eines der wenigen Unternehmen die seit Anfang 2015 von der Altfahrzeug-Richtlinie geforderte Verwertungsquote von 95 Prozent sicher erfüllt. Und dennoch bleibt das Problem bestehen, dass Experten das Aufkommen an Altfahrzeugen in Deutschland auf 1 bis 1,5 Millionen Tonnen schätzen, aber tatsächlich weniger als die Hälfte im Land verwertet wird.

Deshalb sei eine Revision der europäischen Altfahrzeug-Richtlinie dringend nötig, mahnte Beate Kummer in Berlin. Handlungsbedarf sieht die Scholz-Sprecherin unter anderem mit Blick auf eine exaktere Definition der Begriffe Altfahrzeug und Gebrauchtwagen. Außerdem sollte die Beweislast umgekehrt werden. „Künftig sollten die Exporteure nachweisen müssen, dass es sich bei dem Exportgut um einen Gebrauchtwagen und nicht um ein Altfahrzeug handelt“, sagte sie. Bislang liegt die Beweislast bei den Zollbeamten. Darüber hinaus fordert Scholz zusätzliche Vorgaben, um eine höhere Erfassung von Altautos innerhalb der EU zu erreichen.

Handlungsbedarf in punkto Altautoverwertung erkennt auch die europäische Automobilindustrie. Allerdings nicht hinsichtlich der Altfahrzeug-Richtlinie: Die Richtlinie habe ihre Wirksamkeit unter Beweis gestellt, betonte Erik Jonnaert, Generalsekretär des europäischen Automobilverbands ACEA, bei der Pressekonferenz. Er sprach sich dafür aus, die Richtlinie ohne Änderung beizubehalten. Ansatzpunkte zur Verbesserung sieht Erik Jonnaert stattdessen in anderen Bereichen. So sollte die Anforderung, einen Verwertungsnachweis zu führen, nicht die Ausnahme sein, sondern zur Regel werden, fordert der ACEA-Vertreter.

Darüber hinaus setzt sich der Automobilverband für eine europaweit einheitliche Umsetzung der Richtlinie ein. Wichtig sei eine Wettbewerbsgleichheit für alle ordnungsgemäß tätigen Anlagenbetreiber. Außerdem sollten weitere Schritte unternommen werden, um die Post-Shredder-Technologie zu fördern. Diese Behandlungstechnik sei die am besten geeignete Methode zur Altautoverwertung, betonte Erik Jonnaert in Berlin.

Mit Blick auf den laufenden Revisionsprozess bezüglich Ausnahmen von der Altfahrzeug-Richtlinie wies Erik Jonnaert darauf hin, dass die Automobilindustrie bereits einen signifikanten Beitrag zur Reduzierung von Schwermetallen geleistet hat. „Weitere Reduktionen sollten sich am ökonomischen und technischen Fortschritt orientieren”, erklärte er.


Über ICM:

Die ICM AG ist einer der international führenden Kongressveranstalter für das Themengebiet Recycling. Mit insgesamt vier Kongressen pro Jahr deckt ICM wichtige Bereiche der Kreislaufwirtschaft ab. Dazu zählen vor allem die Themen Elektro- und Elektronikrecycling, Automobilrecycling und Batterierecycling. Die Kongresse finden abwechselnd in verschiedenen Ländern Europas, in Nordamerika und in Asien statt. Eine Übersicht über kommende Kongresse finden Sie hier.

An appeal from the International Automobile Recycling Congress IARC 2015:

Automobile recycling industry calls for tackling of illegal activities

Berlin, 25 March 2015: The recycling of end-of-life vehicles in Europe has taken great steps forward in recent years. However, there are still a number of challenges that need to be faced going into the future. These include in particular the illegal treatment and exporting of end-of-life vehicles, stated Artemis Hatzi-Hull, who works on waste management at the Directorate General for the Environment in the European Commission, at the press conference of the International Automobile Recycling Congress IARC 2015 in Berlin today.

Moreover, the EU Commission is considering the introduction of additional measures to further improve the recycling of end-of-life automobiles. Among other points, Artemis Hatzi-Hull mentioned the alignment of the reporting system and the methods of calculation used by the various EU member states. The aim is to increase the informative value and reliability of the statistics, with a view to making the collected data easier to compare. Further consideration is also being given to providing dismantling companies with better information on recyclable materials and adapting vehicle recycling processes to keep pace with continual developments in automotive technologies.

As Artemis Hatzi-Hull emphasised at the press conference, the overall assessment of the European End-of-Life Vehicles Directive, which came into force in the year 2000, was positive. The Directive has been implemented in all of the EU member states and has produced positive results, both ecologically and economically. In the meantime, toxic materials in vehicles have been practically eliminated. The member states have also made good progress in meeting the required recycling rates.

Speaking on behalf of the German recycling enterprise Scholz Group, Beate Kummer also criticised the illegal exports. “We still do not know what happens to around 1.4 million end-of-life vehicles from Germany each year," she said at the press conference. She has a body of evidence from Germany, Austria, Slovenia and Croatia proving that end-of-life vehicles are being illegally disposed of. These facts are seriously discouraging for would-be investors in the recycling industry as they mean lower calculable input for recycling companies, which they need in order to invest in treatment plants and equipment.

The Scholz Group itself operates a treatment plant for shredder residues from end-of-life vehicle recycling in Espenhain near Leipzig and has invested some 60 million euros in end-of-life vehicle treatment technology since 1991. As a result, Scholz is one of the few companies reliably meeting the 95-per-cent recycling rate prescribed by the End-of-Life Vehicles Directive since the beginning of 2015. Nevertheless, the problem remains that although experts estimate the number of end-of-life vehicles generated in Germany at around 1 to 1.5 million per year, less than half of this number are actually being recycled within the country.

For this reason the European End-of-Life Vehicles Directive urgently needs reviewing, warned Beate Kummer in Berlin. The Scholz spokeswoman also sees a necessity to define the terms ‘end-of-life vehicle’ and ‘used car’ more exactly. Furthermore, she says the burden of proof should be reversed. “In future, exporters should have to prove that the goods being exported are used cars and not end-of-life vehicles," she said. Until now, customs officers have had the burden of proof. Moreover, Scholz is calling for additional regulations in order to better record end-of-life cars within the EU.

Europe’s automobile industry also sees a need to act concerning the recycling of end-of-life cars. However, not with regard to the End-of-Life Vehicles Directive: The Directive has proved its efficacy, emphasised Erik Jonnaert, Secretary General of the European Automobile Manufacturers Association (ACEA), at the press conference. He advocates retaining the Directive unchanged and sees a greater need for improvement in other areas. The requirement to have proof of recycling should not be the exception, but the rule, said the ACEA representative.

Furthermore, the ACEA is in favour of standardised implementation of the Directive throughout Europe. The important point is an even playing field for all proper plant operators. In addition, the ACEA wants further steps to be taken to promote post-shredder technology. This treatment technique is the most suitable method of recycling end-of-life vehicles, emphasised Erik Jonnaert in Berlin.

Regarding the ongoing revision processes of exemptions to the ELV directive in Annex II, Mr Jonnaert also emphasised that the automotive industry has provided a significant contribution to heavy metals reductions. “Any further reduction should be based on economic & technical progress”, concluded Mr Jonnaert.


About ICM:

ICM AG is an internationally leading congress organiser that specialises in the field of recycling.With a total of four congresses per year, ICM covers key topics of the circular economy,primarily the recycling of electrical and electronic goods, end-of-life automobiles and batteries.The congresses are held alternately in various countries of Europe, North America and Asia.You can find an overview of the upcoming congresses here.

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